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LiveWire - ein Erfahrungsbericht

Wenn der Strom das Benzin verdrängt

Wien, 30.7.2020 - ein Erfahrungsbericht von Wolfgang Berger (Zündwerk-Kunde seit 2013)

Ausgerechnet Harley Davidson, bekannt für ihre Big Bikes mit großvolumigen V2-Benzinmotoren, Good Vibrations und markigem Sound, stellt als erster Motorrad-Großserienhersteller ein Elektro-Bike in den Schauraum. Harley Davidson will sich mit der LIVEWIRE für die Zukunft rüsten und auch für jüngere Kunden attraktiver werden.

Erster optischer Eindruck: DAS soll eine Harley sein? Dieser sportlich designte Neuzugang passt eigentlich nicht zu den üblichen Cruisern und Tourern. Aber es steht Harley Davidson groß auf der Tankattrappe, unter der sich die Ladebuchse befindet und bei näherer Betrachtung erkennt man auch gleich die Harley-typische perfekte Verarbeitung.

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Der große Akku-Pack ist leider notwendig, fügt sich aber optisch gut verträglich in die formschöne Linie der LIVEWIRE ein. Der Elektromotor ist schwerpunktgünstig ganz unten platziert, der Antrieb erfolgt getriebelos via Zahnriemen aufs Hinterrad.

Doch jetzt raus auf die Straße.

Eine kurze Einschulung überzeugt von der Einfachkeit des Seins. Kupplung und Schalthebel fehlen, nur am Stromgriff drehen und es geht los. Schon etwas länger dauert es, um sich bei der ersten Begegnung mit dem modernen 4,3“-Farb-Touchscreen anzufreunden, da hier doch einige Anzeigen und Einstellungen vorgenommen werden können. Es ist nicht nur hervorragend ablesbar, sondern auch dank LTE-Modul voll vernetzt. Per App kann man den Ladevorgang überwachen, den Status und Standort des Bikes überprüfen und falls sich jemand unerlaubt am Motorrad zu schaffen macht, bekommt man eine entsprechende Push-Nachricht aufs Handy gesendet. Musik und Navi-Befehle werden per Bluetooth übertragen. Die wichtigsten Funktionen und Anzeigen kann man auch während der Fahrt per Joysticks steuern.

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Durch die beiden 300er-Bremsscheiben mit Brembo Monobloc-Bremszangen vorne, voll einstellbare Showa-Federelemente sowie modernster Elektronik mit verstellbarer Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, Kurven-ABS sowie vier voreingestellte und drei frei programmierbare Fahrmodi bietet die LIVEWIRE maximale Sicherheit und macht sie für nahezu jedes Fahrkönnen beherrschbar. Die LIVEWIRE bietet lokal emissionsfreie Mobilität bei gleichzeitig maximalen Fahrspaß.

Es ist unbeschreiblich, wie dieses Bike aus dem Stand loslegt. Anfängliche Skepsis ist genau wie der Wunsch nach Sound schon nach wenigen Metern verflogen. Komplett lautlos und unspektakulär beschleunigt die LIVEWIRE schon im gemütlichsten Fahrmodus. Die Leistung ist dabei feinfühlig dosierbar und ermöglicht somit auch entspanntes Fahren im Stadtverkehr. Wechselt man dann in den Sport-Modus, sollte der Tachometer immer im Auge behalten werden.

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Weder Motor- oder Auspuffgeräusche noch Vibrationen warnen davor, wenn dich die LIVEWIRE beim Dreh am Stromgriff in kürzester Zeit in den führerscheinfreien Geschwindigkeitsbereich beamt. Die „Gasannahme“ ist unterbrechungsfrei und die Harley beschleunigt ohne jegliche Störung bis zur maximalen Höchstgeschwindigkeit von 177km/h.

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Die für Harley Davidson untypischen Beschleunigungswerte (0-100km/h in 3sec, 100km/h-130km/h in 1,9sec) wünschen sich auch Fahrer anderer Naked-Bikes. Die reinen Messwerte des Motors (105PS Leistung und 116Nm Drehmoment) können nicht beschreiben, wie sehr der Elektromotor die LIVEWIRE nach vorne reißt. Die Sitzposition ist sportlich und Vorderrad-orientiert, die Sitzbank ist straff, aber bequem – insgesamt eine hervorragende Ergonometrie. Durch das famose Fahrwerk mit dem niedrigen Schwerpunkt lässt sich die LIVEWIRE viel handlicher bewegen, als man bei 249kg Eigengewicht vermuten könnte.

Die LIVEWIRE ist die sportlichste Harley ever. Kein Ersatz für eine V2-Cruiser oder Tourer, sondern eher eine perfekte Ergänzung, wenn man zukünftig Fahrer von sportlichen Naked-Bikes anderer Hersteller zu Harley bringen möchte. Einer flotten Runde durch die Landschaft, auch mit engeren Kurven, steht jetzt nichts mehr im Wege. Der Fun-Faktor ist riesig. Und wenn von Zeit zu Zeit die Traktions- oder Wheeliekontrolle eingreift, geschieht das nahezu unmerklich.

Bevor nach den vielen positiven Eindrücken das Lob ins Unermessliche entgleitet, muss man aber doch auch auf die Kehrseiten der Elektromobilität eingehen. Wie bei jedem anderen elektrisch betriebenen Fahrzeug hängt auch bei der LIVEWIRE die tatsächliche Reichweite sehr stark von der Fahrweise und der Fahrtroute ab.

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Im Stadtverkehr mit entsprechend niedriger Geschwindigkeit und vielen Rekuperationen durch Bremsvorgänge sollten theoretisch ca. 230km möglich sein.

Im Praxisbetrieb kann das aber auch schon auf 160km sinken. Eine flotte Überlandfahrt kann möglicherweise sogar schon mit 120km zu Ende sein. Laut Harley Davidson beträgt die Ladedauer des 15,5kWh Akkus bei einer CCS2-Schnellladestation für 80% Ladekapazität nur 40min. (für 100%: 60min.).

Leider sind diese Schnelladestationen aber nicht gerade entlang der schönen Bikerouten angesiedelt, was dazu führt, dass man Ausfahrten zukünftig nach der Verfügbarkeit von Stromtankstellen planen muss und es bleibt zu hoffen, dass diese dann nicht gerade belegt sind. Natürlich kann man auch mit dem mitgelieferten Ladegerät über den üblichen Haushaltsstrom laden. Am besten über Nacht, denn hier beträgt die Akkuladung ca. 21km Reichweite pro Ladestunde.

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Mein persönliches Fazit:

Mit der LIVEWIRE ist Harley Davidson ein großer Wurf gelungen. Ein sehr schönes Bike für die Zukunft, welches sich wirklich hervorragend fahren lässt und riesig viel Spaß macht. Meine ursprünglichen Vorurteile gegen ein Elektromotorrad sind in Bezug auf Fahrleistungen und Fahrspaß innerhalb einer einzigen Probefahrt komplett verschwunden.

Wenn in einigen Jahren die Reichweiten der Batterien, die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur und eine weitere Reduktion der Ladedauer gegeben ist, werde ich den Kaufvertrag unterschreiben. Für all diejenigen Biker, die mit der angeführten Entfernung zurecht kommen, kann ich das schon jetzt empfehlen!

Apropos empfehlen:

Die LIVEWIRE sollte jetzt schon bei jedem Harley Davidson Händler stehen. Für den Raum Wien/Nö habe ich persönlich die besten Erfahrungen mit dem ZÜNDWERK in Strasshof bei Wien gemacht. Hier habe ich mich schon seit vielen Jahren am besten betreut gefühlt. Die Staff ist sehr professionell, immer freundlich, extremst bemüht, stets hilfsbereit und für mich auch sehr wichtig: sie sind geerdet und niemals abgehoben.

Für alle Fragen betreffend der LIVEWIRE und allen anderen Harley-Modellen kann man sich vertrauensvoll an Erich „der Chef“ oder an Christof „die gute Seele“ wenden.

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Den ganzen Bericht gibt es auch als PDF-Download: HIER

Text: Wolfgang Berger

Fotos: Wolfgang Berger

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